Mit Farbstiften kannst du weit mehr als nur Flächen ausmalen. Wer über die erste Farbschicht hinausgeht, merkt schnell, dass sich mit ihnen beinahe malen lässt.
Dennoch gibt es oft einen deutlichen Unterschied zwischen einer einfach ausgemalten Zeichnung und einem wirklich realistischen Ergebnis. Vielleicht kennst du das: Das Papier bleibt sichtbar, Farbverläufe wirken körnig und der Zeichnung fehlt diese tiefe, satte Ausstrahlung.
Der Unterschied liegt meist nicht am Stift selbst, sondern an der Technik. Durch geschicktes Verblenden und Polieren lassen sich Farben harmonisch ineinander übergehen, Schichten aufbauen und nahezu malerische Effekte erzielen.
In diesem Blog erfährst du, wie du Farbstifte professionell verblendest, welche Techniken sich dafür eignen und mit welchen Hilfsmitteln du deine Zeichnungen auf das nächste Level bringst.
Eine der wirkungsvollsten Methoden zum Verblenden von Farbstiften ist der Einsatz von Lösungsmitteln. Dabei wird das Bindemittel der Farbstiftmine teilweise gelöst, sodass sich die Pigmente besser über das Papier verteilen können.
Der Effekt ist sofort sichtbar: Stiftstriche verschwinden und Farben gehen weich und gleichmäßig ineinander über. Das Ergebnis liegt irgendwo zwischen Zeichnung und Malerei.
Mit Terpentinersatz, Terpentin oder Verdünner erzielst du einen besonders starken Verblendeffekt. Diese Methode eignet sich vor allem für größere Flächen und weiche Farbverläufe.
Arbeite dabei immer vorsichtig und sorge für eine gute Belüftung. Eine angenehme Alternative ist Gamsol – ein geruchsarmes Lösungsmittel, das sauberer arbeitet als herkömmlicher Terpentinersatz.
Alkohol, beispielsweise Isopropylalkohol, sorgt für einen subtileren Effekt und trocknet schnell. Dadurch hast du mehr Kontrolle und das Papier wellt sich weniger leicht.
Du kannst den Alkohol mit einem Pinsel oder Wattestäbchen auftragen oder direkt mit Alkoholmarkern arbeiten. Diese ermöglichen ein präzises und sauberes Verblenden, ohne dass du mit freier Flüssigkeit arbeiten musst.
Manche Künstler verwenden (Baby-)Öl, um Farben zu intensivieren und weicher wirken zu lassen. Dadurch entsteht eine besonders satte und kräftige Farbwirkung.
Beachte jedoch, dass Öl länger im Papier verbleibt und Flecken verursachen kann. Verwende es deshalb sparsam und teste es immer zuerst auf einem Probestück.
Wenn du lieber ohne Flüssigkeiten arbeitest, gibt es ebenfalls effektive Methoden, um Farben weich ineinander übergehen zu lassen.
Ein Blenderstift enthält keine Pigmente und dient dazu, Farbschichten miteinander zu verdichten. Dadurch entsteht eine gleichmäßigere Oberfläche und Farbverläufe wirken deutlich weicher.
Da die Pigmente dabei regelrecht ins Papier gedrückt werden, sättigt sich die Oberfläche schneller. Deshalb eignet sich diese Technik vor allem als Abschluss und weniger für frühe Arbeitsschritte.
Möchtest du eine vollkommen glatte, satte Oberfläche, bei der das Papier kaum noch sichtbar ist, dann ist Burnishing die richtige Technik.
Dabei übst du mit einem hellen oder farblosen Stift kräftigen Druck auf deine Zeichnung aus. Das Pigment wird tiefer ins Papier gedrückt und die Oberfläche erhält ein poliertes, fast glänzendes Finish.
Dafür kannst du beispielsweise Blender- und Burnisher-Stifte von Derwent oder auch einen weichen weißen Farbstift verwenden.
Beachte jedoch: Burnishing ist ein abschließender Arbeitsschritt. Da die Papieroberfläche danach weitgehend gesättigt ist, lassen sich nur noch wenige zusätzliche Farbschichten auftragen.
Der Untergrund spielt eine wesentlich größere Rolle, als viele denken.
Auf dünnem Papier stößt du beim Schichten schnell an Grenzen, und Lösungsmittel können die Oberfläche beschädigen. Festeres Papier bietet deutlich mehr Kontrolle und mehr Möglichkeiten.
Bristolpapier eignet sich hervorragend, wenn du ein besonders glattes Ergebnis erzielen möchtest. Bevorzugst du etwas mehr Struktur, ist Canson Mi-Teintes eine ausgezeichnete Wahl.
Dieses Papier besitzt eine gröbere Seite für mehr Haftung und eine glattere Seite für feinere Ausarbeitungen.
Eine clevere Möglichkeit, schneller eine gleichmäßige Farbfläche aufzubauen, ist die Verwendung von Aquarellstiften.
Trage zunächst eine leichte Grundschicht auf und aktiviere sie anschließend mit Wasser. Dadurch bleibt das Papier später weniger sichtbar. Anschließend kannst du mit normalen Farbstiften Details und feine Nuancen ausarbeiten.
Auch gewöhnliche Bleistifte eignen sich in der Anfangsphase hervorragend, um die Zeichnung anzulegen und Tonwerte festzulegen.
Arbeite immer in dünnen Schichten und baue die Farbe nach und nach auf. So behältst du die Kontrolle und verhinderst, dass das Papier zu schnell gesättigt wird.
Arbeite von hell nach dunkel und von großen Flächen zu den Details. Verwende Lösungsmittel sparsam und teste sie immer zuerst auf einem Probestück.
Das Wichtigste ist Geduld. Gutes Verblenden braucht Zeit – und genau das zeigt sich später im Ergebnis.
Die folgende Tabelle bietet einen kompakten Überblick über die wichtigsten Hilfsmittel zum Verblenden und Polieren von Farbstiften.
So erkennst du auf einen Blick die jeweiligen Vor- und Nachteile und kannst die Technik wählen, die am besten zu deiner Arbeitsweise passt.
| Produkt / Technik | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Terpentinersatz / Verdünner | Starker Verblendeffekt, weiche Farbverläufe, ideal für große Flächen | Geruchsintensiv, gute Belüftung erforderlich, kann das Papier angreifen |
| Gamsol | Geruchsarm, saubere Alternative, kontrolliertes Verblenden | Bleibt ein Lösungsmittel und sollte vorsichtig verwendet werden. Teurer als herkömmlicher Terpentinersatz |
| Alkohol (Isopropylalkohol) | Dezenter Effekt, trocknet schnell, gute Kontrolle | Weniger starke Verblendwirkung. Auch hier ist bei Hautkontakt und größeren Mengen Vorsicht geboten |
| Alkoholmarker | Präzises, sauberes und schnelles Arbeiten | Geringere Verblendwirkung |
| Öl (z. B. Babyöl) | Intensive Farben, verstärkt die Pigmentwirkung | Kann Flecken verursachen und bleibt im Papier zurück |
| Blenderstift | Trockenes Arbeiten, gleicht Farbschichten aus, einfach anzuwenden | Papier sättigt sich schnell, weniger geeignet für frühe Farbschichten |
| Burnisher-Stift | Besonders glattes Ergebnis, hohe Farbsättigung, professionelles Finish | Nur als Abschlusstechnik geeignet, danach sind kaum weitere Schichten möglich. Ein weicher weißer Farbstift kann ebenfalls verwendet werden, hellt die Farben jedoch etwas auf |
Materialien
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