Eitempera – die Technik der alten Meister
Eitempera ist eine Emulsionsfarbe, die auf der Verbindung von Eigelb und Leinöl basiert. Der Begriff „Tempera“ stammt vom lateinischen temperare, was „mischen“ bedeutet – also das Vermengen von Pigmenten mit einem Öl-Wasser-Bindemittel.
Die Technik wurde bereits im Altertum verwendet, etwa für ägyptische Mumienporträts, und war im Mittelalter sowie in der frühen Renaissance die dominierende Malweise für Ikonen und Altarbilder. Erst im 15. Jahrhundert wurde sie zunehmend von der Ölfarbe verdrängt.
Was Eitempera so besonders macht, sind ihre charakteristischen Eigenschaften:
- Mit Wasser verdünnbar, nach dem Trocknen wasserfest: Die Verarbeitung erfolgt mit Wasser, das Ergebnis ist jedoch dauerhaft beständig.
- Sehr schnelle Trocknung: Die Farbe härtet unter Lichteinfluss in kurzer Zeit aus, sodass rasch Schicht auf Schicht gearbeitet werden kann.
- Klare, transparente Farben mit hoher Leuchtkraft und einem feinen, seidigen Glanz.
- Außergewöhnlich langlebig: Eitempera vergilbt kaum, bleibt über Jahrhunderte stabil und ist weniger rissanfällig als Ölmalerei.
- Lichtvolle Wirkung: Durch das Lichtspiel zwischen den dünnen Farbschichten entstehen besonders reine, leuchtende Farbwirkungen.
Eitempera erfordert jedoch eine sehr bewusste Arbeitsweise. Spontanes, korrigierendes Arbeiten ist kaum möglich – stattdessen wird das Motiv im Voraus geplant. Farbverläufe entstehen nicht durch Mischen auf der Leinwand, sondern durch übereinanderliegende Lasuren oder durch Schraffuren, wie sie typisch in historischen Temperagemälden zu finden sind. Als Untergrund eignen sich leicht saugende Materialien wie gut vorbereitete Holztafeln, dickes Papier oder Karton.
Wer Pigmente nicht selbst mit Ei mischen möchte, findet in den gebrauchsfertigen Eitemperafarben von Sennelier eine ideale Lösung. Der französische Hersteller produziert seit 1895 hochwertige Eitempera nach klassischen Rezepturen, kombiniert mit moderner Haltbarkeit – geschätzt von Ikonenmalern und allen, die diese Technik ohne Eigenmischung erlernen möchten.
Kurzer Hinweis: Tempera vs. Gouache
Tempera und Gouache werden oft verwechselt, unterscheiden sich jedoch im Bindemittel: Gouache basiert auf Gummi Arabicum und wirkt matt und kreidig. Eitempera ist hingegen eine Öl-Wasser-Emulsion und besitzt einen weicheren, seidigen Glanz. Zudem ist Gouache in der Tube lange haltbar, während klassische Tempera traditionell frisch angerührt wird.
Enamel – für Modellbau und Objekte
Enamel ist eine völlig andere Farbwelt. Es handelt sich um eine Farbe auf Ölbasis mit Lösungsmitteln (Terpentinersatz), die meist in kleinen Metalldosen angeboten wird. Während Eitempera wasserbasiert verarbeitet wird, wird Enamel mit Terpentin verdünnt und gereinigt.
Dadurch ist sie nicht wasserlöslich, haftet aber besonders gut auf glatten und nicht saugenden Oberflächen. Enamel ist daher die ideale Farbe für Modellbauer und Objektgestalter.
Die wichtigsten Eigenschaften:
- Haftet auf vielen Materialien: Holz, Kunststoff, Glas und zahlreichen weiteren Oberflächen
- Geeignet für Pinsel und Airbrush: sehr vielseitig einsetzbar
- Erhältlich in verschiedenen Finishes: matt, glänzend, seidenmatt und metallic
- Schnelltrocknend: je nach Variante oberflächentrocken in 1–2 Stunden, vollständig ausgehärtet nach ca. 24 Stunden
Ein praktischer Hinweis: Enamel kann bestimmte Kunststoffe (z. B. manche Schaumstoffe) angreifen. Daher sollte die Farbe immer zuerst an einer unauffälligen Stelle getestet werden. Zum Reinigen der Pinsel werden Terpentinersatz oder Waschbenzin verwendet. Im Modellbau ist unter anderem das englische Unternehmen Humbrol eine bekannte Referenz.
Welche Farbe passt zu dir?
Die Entscheidung ist klar: Wenn du klassische Malerei, Ikonen oder historische Techniken erkunden möchtest, ist Eitempera das richtige Medium. Wenn du Modelle, Miniaturen oder Objekte aus Kunststoff, Holz oder Glas bemalst, ist Enamel die passende Wahl.
Du bist unsicher oder möchtest wissen, wie du mit diesen speziellen Farben am besten startest? Unsere Mitarbeiter beraten dich gerne in einer unserer Filialen oder über unseren Kundenservice. Wir teilen unser Fachwissen mit dir. Und das schon seit 1895.