Wenn du die Fülle an unterschiedlichen Marken, Serien und Farbtönen in der Welt der Künstlerfarben siehst, kann schnell der Eindruck entstehen: unerreichbar, kompliziert, kurz, eine Wissenschaft für sich. Und tatsächlich steckt hinter hochwertigen Künstlerfarben einiges an Erfahrung, Materialkenntnis und sorgfältiger Abstimmung. Unberührbar ist das Thema deshalb aber noch lange nicht.
Denn Farben selbst herzustellen ist grundsätzlich gar nicht so schwierig. Schon seit Jahrtausenden stellen Menschen ihre eigenen Farben her, entwickeln unterschiedliche Techniken und experimentieren mit Pigmenten, Bindemitteln und weiteren Zutaten. So sind im Laufe der Jahrhunderte unzählige Farbarten und Farbtöne entstanden – von Ölfarben und Tempera über Acrylfarben und Gouache bis hin zu Aquarellfarben.
Um Letztere soll es in diesem Blog gehen. Denn wenn du dir die Herstellung von Aquarellfarben genauer ansiehst, ist sie deutlich zugänglicher, als es zunächst vielleicht scheint. Und selbst wenn die Herstellung besonders langlebiger, feiner und ausgewogener Künstlerfarben einiges an Übung erfordert, lohnt sich schon das Experimentieren. Du lernst deine Farben dabei ganz anders kennen: Du beschäftigst dich mit Pigmenten, Mischverhältnissen, Bindemitteln, Verarbeitung und den Eigenschaften einzelner Farbtöne.
Das Grundprinzip einer Aquarellfarbe ist erstaunlich einfach: Pigment und Bindemittel werden miteinander verbunden. Das Pigment sorgt für die Farbe, während das Bindemittel dafür sorgt, dass die Pigmentteilchen auf dem Papier haften und sich mit Wasser wieder anlösen lassen.
Traditionell wird für Aquarellfarben Gummi Arabicum als Bindemittel verwendet. Es lässt sich mit Wasser lösen und wird seit Jahrhunderten für Wasserfarben eingesetzt. Gewonnen wird Gummi Arabicum aus verschiedenen tropischen Akazienarten, vor allem aus Nordafrika. Je nach Herkunft und Form können die Stücke unterschiedliche Färbungen aufweisen, von blassem Gelb bis hin zu leicht rötlich-braunen Tönen.
Passendes Gummi Arabicum in Stücken sowie Gummi Arabicum als Pulver findest du bei Van Beek Art Supplies.
Das Prinzip der Farbherstellung ist dabei keineswegs neu. Schon mit Pigmentpulver und Wasser lässt sich eine färbende Flüssigkeit herstellen. Auf einem saugenden Untergrund kann eine solche Farbe unter günstigen Bedingungen erstaunlich lange erhalten bleiben. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür sind prähistorische Höhlenmalereien, bei denen sich Farbspuren teilweise über viele Jahrtausende erhalten haben.
Ein Pigment ist ein fein gemahlenes, intensiv gefärbtes und in der Regel unlösliches Pulver. Im Gegensatz zu Farbstoffen löst es sich nicht einfach im Wasser auf. Damit Pigment als Künstlerfarbe verwendet werden kann, braucht es deshalb ein geeignetes Bindemittel.
Bei der Herstellung deiner eigenen Aquarellfarben hast du den großen Vorteil, dass du selbst entscheiden kannst, welche Pigmente du verwendest. So kannst du klassische Farbtöne herstellen, verschiedene Pigmente miteinander kombinieren oder ganz eigene Farbmischungen entwickeln.
Eine große Auswahl an Pigmenten findest du bei Van Beek Art Supplies. Dabei reicht die Auswahl von leuchtenden Farben über tiefe Erdtöne bis hin zu weißen und schwarzen Pigmenten.
Für die Verarbeitung von Aquarellfarben eignen sich grundsätzlich viele unterschiedliche Pigmente. Besonders einfach zu verarbeiten sind beispielsweise Cadmium-, Kobalt- und Ultramarinpigmente sowie Eisenoxide und verschiedene Erdpigmente.Bei sehr grobkörnigen Pigmenten, Sanden oder Erden kann dagegen die Abriebfestigkeit problematisch sein. Reaktive Pigmente wie bestimmte Kupferpigmente sowie Mangan- oder Kobaltphosphate sind für die Herstellung von Aquarellfarben nicht zu empfehlen.
Wie bei allen Pigmenten gilt: Beachte die Sicherheitshinweise des Herstellers und vermeide es, Pigmentstaub einzuatmen. Je nach Pigment können geeignete Schutzmaßnahmen erforderlich sein.
Hier wird es interessant – denn ein einziges, für alle Pigmente gültiges Rezept gibt es nicht. Jedes Pigment hat einen eigenen Bindemittelbedarf. Manche Pigmente benötigen mehr Aquarellmalmittel, andere weniger.
Wenn du deine selbst hergestellten Farben später reproduzieren möchtest, solltest du deshalb die verwendeten Mengen möglichst genau abwiegen und deine Mischungsverhältnisse notieren. So kannst du später nachvollziehen, wie du einen bestimmten Farbton hergestellt hast. Für eine stabile Farbe ist es besonders wichtig, dass die Pigmentteilchen sorgfältig mit dem Bindemittel vermischt werden. Gib Pigment und Aquarellmalmittel in eine Reibschale oder auf eine Anreibeplatte und verreibe die Mischung gründlich.
Die fertige Masse sollte ungefähr die Konsistenz von flüssigem Honig oder Joghurt haben. Wichtig ist, dass keine Klumpen mehr vorhanden sind und das Bindemittel das Pigment möglichst gleichmäßig umschließt. Danach lohnt sich ein Probeaufstrich auf Aquarellpapier. Trage die Farbe dünn auf und lass sie trocknen. So kannst du überprüfen, ob die Mischung ausreichend Bindemittel enthält und wie sich die Farbe nach dem Trocknen verhält.
Wenn die Farbe nach dem Trocknen beim Darüberwischen stark abfärbt, verwischt oder sich ablöst, ist möglicherweise zu wenig Bindemittel enthalten. Gib in diesem Fall etwas mehr Aquarellmalmittel hinzu und reibe die Farbe erneut sorgfältig durch. Bleibt die Farbe dagegen klebrig und trocknet nicht richtig, hast du möglicherweise zu viel Aquarellmalmittel verwendet. In diesem Fall kannst du etwas Pigment hinzufügen und die Mischung erneut gründlich anreiben.
Wenn du deine ersten eigenen Aquarellfarben herstellen möchtest, kannst du mit einem einfachen Grundrezept beginnen. Als Ausgangspunkt gilt:
Dieses Verhältnis ist ein Ausgangspunkt und kein starres Rezept. Je nach Pigment und gewünschter Farbkonsistenz kann die Menge des Bindemittels angepasst werden.
Wenn du Gummi Arabicum als Pulver verwendest, rührst du es zunächst in kaltes Wasser ein. Anschließend erwärmst du das Gefäß vorsichtig im Wasserbad, bis sich das Pulver vollständig aufgelöst hat.
Auch wenn sich das Pulver scheinbar schnell löst, solltest du gründlich umrühren. So verhinderst du, dass sich Klümpchen bilden und stellst sicher, dass sich das Gummi Arabicum gleichmäßig verteilt.
Die fertige Gummi-Arabicum-Lösung ist nicht unbegrenzt haltbar und kann relativ schnell verderben. Bewahre sie deshalb im Kühlschrank auf und achte auf eine saubere Arbeitsweise.
Wenn du Gummi Arabicum als Granulat beziehungsweise in Stücken verwendest, muss es vor der Verwendung zunächst gereinigt werden. Dafür kannst du die gelöste Mischung beispielsweise durch einen sauberen Nylonstrumpf filtern, um Verunreinigungen zurückzuhalten.
Nun kommt der spannende Teil: das Pigment wird mit dem Bindemittel verbunden. Gib das Pigment zusammen mit dem Gummi Arabicum auf deine Anreibeplatte und zerreibe die Mischung mit einem Glasläufer.
Arbeite dabei sorgfältig und geduldig. Ziel ist eine möglichst homogene, klumpenfreie Paste. Gerade bei feinen Pigmenten kann es etwas Zeit benötigen, bis sich das Bindemittel gleichmäßig verteilt und die Farbe ihre richtige Konsistenz erreicht.
Eine geeignete Glasläufer zum Anreiben und eine Glasplatte zum Anreiben sind dafür praktische Werkzeuge.
Alternativ kannst du eine Porzellan-Reibschale mit Stößel verwenden.
Ist die Pigmentpaste homogen und klumpenfrei, kannst du sie je nach gewünschter Anwendung mit Wasser verdünnen. Je nach Pigment, Bindemittelmenge und Verdünnung erhältst du eine mehr oder weniger konzentrierte Farbe.
Gerade beim ersten Herstellen lohnt es sich, kleine Mengen anzurühren und verschiedene Verdünnungsstufen auf Aquarellpapier auszuprobieren. Eine Farbe kann konzentriert ganz anders aussehen als in einer dünnen, wässrigen Lasur.
Für die Aufbewahrung stehen dir verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Wenn du eine eher flüssige oder pastose Konsistenz bevorzugst, kannst du die Farbe beispielsweise in leere Farbtuben oder geeignete leere Flaschen abfüllen. Auch leere Farbflaschen können dafür verwendet werden.
Wenn du deine selbst hergestellten Farben lieber in Näpfchen aufbewahren möchtest, gibt es allerdings einen wichtigen Unterschied. Nur Gummi Arabicum als Bindemittel kann beim Trocknen eine eher spröde Farbe ergeben, die stark reißt oder sich schlecht wieder anlösen lässt. Zusätze wie Honig oder Zuckerwasser sowie Glycerin können die Farbe elastischer machen und dafür sorgen, dass sie sich später besser mit Wasser anlösen lässt.
Für die Aufbewahrung eignen sich beispielsweise leere Aquarellnäpfchen. Wenn du deine eigene Palette zusammenstellen möchtest, kannst du auch einen leeren Aquarellkasten für 24 halbe Näpfchen verwenden.
Fülle die Farbe möglichst nicht in einer einzigen dicken Schicht in das Näpfchen. Besser sind mehrere dünne Schichten von etwa 2–3 mm. Lass die erste Schicht vollständig trocknen, bevor du die nächste hinzufügst.
Eine dicke Farbschicht trocknet nämlich nicht schneller, sondern im Gegenteil häufig langsamer. Durch das schrittweise Befüllen kannst du außerdem das Risiko reduzieren, dass die Farbe später stark reißt.
Risse in selbst hergestellten Aquarellfarben können verschiedene Ursachen haben. Häufig wurde entweder zu wenig Bindemittel verwendet oder die Farbe wurde zu dick auf einmal in das Näpfchen gefüllt.
Besonders Erdpigmente können nach dem Anreiben noch zusätzlich Bindemittel aufnehmen. Wenn die fertige Farbe ansonsten gut anzulösen ist und nicht aus dem Näpfchen bröckelt, sind kleinere Risse deshalb nicht unbedingt mehr als ein optischer Mangel.
Wenn die Farbe dagegen sehr matt und krümelig wirkt, kann ebenfalls Bindemittel fehlen. Eine weitere mögliche Ursache ist, dass die Farbe nicht sorgfältig genug angerieben wurde. Verbleibende Pigmentklumpen können das Bindemittel aufnehmen und dadurch zu einer instabilen Farbmischung führen.
Ist die Farbe noch nicht abgefüllt, kannst du etwas Aquarellmalmittel hinzufügen und sie anschließend erneut gründlich anreiben.
Manchmal möchte eine selbst hergestellte Aquarellfarbe einfach nicht richtig trocknen. Wenn die Farbe auch nach längerer Zeit – beispielsweise nach mehr als einer Woche – noch weich, klebrig oder sogar flüssig ist, kann das daran liegen, dass zu viel Farbe auf einmal in das Näpfchen gefüllt wurde.
Eine weitere mögliche Ursache ist ein zu hoher Anteil an Bindemittel. Solange die Farbe irgendwann vollständig auftrocknet und sich ohne klebriges Gefühl verwenden lässt, ist das weniger problematisch. Farben mit einem sehr hohen Bindemittelanteil können allerdings dauerhaft weicher bleiben.
Hier zeigt sich einmal mehr, warum kleine Testmengen so hilfreich sind: Du kannst deine Mischung zunächst ausprobieren, bevor du einen ganzen Aquarellkasten damit füllst.
Grundsätzlich lassen sich viele Pigmente miteinander kombinieren. Allerdings verhalten sich unterschiedliche Pigmente nicht immer gleich. Sie können beispielsweise unterschiedlich viel Bindemittel benötigen, sich unterschiedlich schnell absetzen oder beim Verarbeiten voneinander trennen.
Deshalb ist es oft einfacher, die Pigmente zunächst separat mit Bindemittel anzureiben und erst anschließend die fertigen Farbmassen miteinander zu mischen. So kannst du besser kontrollieren, wie sich die einzelnen Pigmente verhalten.
Wenn du einen neuen Farbton entwickelst, solltest du unbedingt einen verdünnten Probeaufstrich anlegen. Eine Pigmentmischung kann in konzentrierter Form völlig anders aussehen als beim Vermalen mit viel Wasser.
Gerade darin liegt aber auch ein großer Reiz: Beim eigenen Anreiben kannst du Farbmischungen ausprobieren, die du so vielleicht nicht fertig im Handel finden würdest.
Für die ersten Versuche brauchst du keine komplette Werkstatt. Eine überschaubare Grundausstattung reicht aus. Wichtig sind vor allem geeignete Gefäße, Werkzeuge zum Anreiben und natürlich Pigmente sowie Bindemittel.
Bei Van Beek Art Supplies findest du entsprechendes Zubehör für Pigmente und Farbstoffe.
Für die Herstellung können unter anderem folgende Dinge praktisch sein:
Für kleine Mengen ist ein Pipetten-Set besonders praktisch, weil du damit Wasser oder Bindemittellösung sehr kontrolliert dosieren kannst.
Das Anreiben ist mehr als nur ein mechanisches Vermischen von Pigment und Bindemittel. Die Pigmentteilchen müssen möglichst gleichmäßig mit dem Bindemittel benetzt und verteilt werden. Bleiben Klumpen zurück, kann das die Verarbeitung, das Trocknungsverhalten und die Abriebfestigkeit der fertigen Farbe beeinträchtigen.
Deshalb solltest du dir für diesen Arbeitsschritt ausreichend Zeit nehmen. Gerade wenn du deine ersten eigenen Farben herstellst, ist es spannend zu beobachten, wie sich das zunächst trockene Pigment langsam in eine geschmeidige Farbpaste verwandelt.
Auch kleine Unterschiede beim Anreiben können später sichtbar werden. Eine gründlich verarbeitete Farbe lässt sich meist gleichmäßiger auftragen und verhält sich beim Verdünnen besser.
Nach dem Anreiben wartet noch ein eher unspektakulärer, aber wichtiger Arbeitsschritt: die Reinigung. Farbreste in Reibschalen, auf Anreibeplatten oder an Glasläufern solltest du möglichst zunächst mit einem trockenen Tuch entfernen. Lass die Farbreste trocknen und entsorge sie anschließend im Müll. Auf diese Weise kannst du vermeiden, dass unnötig viel Pigment ins Abwasser gelangt.
Arbeitsflächen, Pinsel und Werkzeuge kannst du anschließend mit Wasser und Seife reinigen. Hartnäckigere Verschmutzungen in Reibschalen oder auf Anreibeplatten lassen sich bei Bedarf mit Scheuermilch entfernen.
Beachte auch bei der Reinigung die Eigenschaften der verwendeten Pigmente und die jeweiligen Herstellerhinweise. Gerade bei Pigmentpulvern sollte unnötige Staubentwicklung vermieden werden.
Vielleicht fragst du dich jetzt: Warum sollte ich mir die Mühe machen, meine Aquarellfarben selbst herzustellen, wenn es bereits so viele fertige Farben gibt?
Die Antwort liegt nicht nur im Ergebnis. Natürlich kannst du mit selbst angeriebenen Farben ganz eigene Farbtöne und individuelle Mischungen entwickeln. Noch spannender ist aber der Weg dorthin.
Wenn du ein Pigment selbst mit Bindemittel verarbeitest, bekommst du ein viel unmittelbarereres Gefühl dafür, wie sich Farbe zusammensetzt. Du erkennst, welche Pigmente besonders kräftig färben, welche viel Bindemittel benötigen, welche sich leicht anlösen und welche sich anders verhalten als erwartet.
Du lernst außerdem, warum zwei Farben, die auf den ersten Blick ähnlich aussehen, beim Vermalen völlig unterschiedlich wirken können. Manche Pigmente sind transparent, andere eher deckend. Manche setzen sich im Papier stärker ab, andere bilden gleichmäßige Farbflächen. Genau diese Eigenschaften machen Aquarellfarben so vielseitig.
Aquarellfarben selbst herzustellen bedeutet also nicht, eine komplizierte Wissenschaft nachzuahmen. Im Grunde greifst du auf ein Prinzip zurück, das Menschen seit sehr langer Zeit nutzen: Pigment wird mit einem geeigneten Bindemittel verbunden und so zu einer verwendbaren Farbe.
Natürlich braucht es Übung, bis du Farben herstellst, die in Farbfluss, Löslichkeit, Trocknung und Haltbarkeit genau deinen Vorstellungen entsprechen. Gerade deshalb solltest du deine ersten Versuche als Experiment verstehen. Arbeite mit kleinen Mengen, probiere unterschiedliche Pigmente aus, notiere deine Mischungsverhältnisse und teste die fertigen Farben auf Aquarellpapier.
Mit der Zeit entwickelst du dadurch ein immer besseres Gefühl für deine Materialien. Und vielleicht entsteht dabei nicht nur ein neuer Lieblingsfarbton, sondern auch ein ganz anderes Verständnis dafür, was eigentlich hinter einer fertigen Aquarellfarbe steckt.
Selbst gemachte Aquarellfarben sind damit nicht nur eine Möglichkeit, Farbe selbst herzustellen. Sie sind eine Einladung, tiefer in die Welt der Pigmente, Bindemittel und Farbmischungen einzutauchen und deine eigene Palette Stück für Stück selbst zu gestalten.