Selbstgemachte Acrylfarbe klingt zunächst nach einem aufwendigen Experiment. Schließlich gibt es im Künstlerbedarf unzählige fertige Farben, von flüssigen Varianten bis hin zu pastosen Acrylfarben in unzähligen Farbtönen. Doch wenn du genauer hinsiehst, ist das Grundprinzip erstaunlich überschaubar: Pigment, Wasser und ein geeignetes Bindemittel bilden die Basis.
In diesem Blog zeigen wir dir, wie du aus diesen Bestandteilen deine eigene Acrylfarbe herstellen kannst. Dabei geht es nicht darum, eine industriell gefertigte Künstlerfarbe möglichst exakt nachzuahmen. Viel spannender ist es, selbst auszuprobieren, wie sich Pigmente und Bindemittel verbinden und welche Eigenschaften deine eigene Farbe entwickelt.
Ein wesentlicher Reiz liegt darin, dass du selbst bestimmst, was in deiner Farbe steckt. Fertige Acrylfarben enthalten je nach Produkt neben Pigment und Bindemittel noch weitere Bestandteile, die beispielsweise Konsistenz, Trocknung oder Verarbeitung beeinflussen. Beim eigenen Herstellen kannst du dich dagegen auf die grundlegenden Zutaten konzentrieren.
Gleichzeitig kannst du deine Farbe an deine eigenen Vorstellungen anpassen. Schon die Menge des Bindemittels kann Einfluss darauf haben, wie sich die Farbe anfühlt, wie sie sich auf dem Malgrund verteilt und wie ihre Oberfläche nach dem Trocknen wirkt. Genau deshalb ist die Herstellung nicht nur eine technische Aufgabe, sondern auch ein kreativer Prozess.
Vielleicht entsteht dabei ein Farbton, den du so nicht im Sortiment findest. Oder eine ganz bestimmte Konsistenz, die perfekt zu deiner Arbeitsweise passt. Der Weg zur eigenen Farbe ist damit fast genauso interessant wie das spätere Malen.
Im Kern besteht Acrylfarbe aus drei Komponenten: einem Farbpigment, Wasser und einem Acrylbinder. Das Pigment bringt die Farbe ins Spiel, Wasser macht die Mischung verarbeitbar und das Bindemittel sorgt dafür, dass die Pigmentteilchen nach dem Trocknen auf dem Malgrund gebunden bleiben.
Für deine eigenen Farbmischungen kannst du auf eine große Auswahl an Pigmenten zurückgreifen. Du kannst einen einzelnen Farbton verwenden oder mehrere Pigmente miteinander kombinieren.
Welche Menge an Binder benötigt wird, lässt sich allerdings nicht für jedes Pigment gleich festlegen. Pigmente unterscheiden sich unter anderem in ihrer Teilchengröße und Oberflächenbeschaffenheit und nehmen deshalb unterschiedlich viel Bindemittel auf. Deshalb führt beim eigenen Herstellen kein Weg an kleinen Farbtests vorbei.
Die benötigte Ausstattung ist überschaubar. Zum Ansetzen und Vermischen der Farbe kannst du eine glatte Schale aus Glas oder Stein verwenden. Auch eine Reibschale, wie sie zu einem Mörser gehört, eignet sich gut.
Zusätzlich brauchst du einen Löffel zum Dosieren, einen Spachtel oder einen Stößel zum Vermischen sowie ein sauberes Schraubglas oder einen anderen luftdicht verschließbaren Behälter für die fertige Farbe.
Wenn du häufiger mit Pigmenten arbeitest, lohnt sich eine Auswahl an geeignetem Zubehör für Pigmente und Farbstoffe anzuschaffen.
Bevor das Experiment beginnt, solltest du einen wichtigen Punkt nicht vergessen: Trockenes Pigment kann feinen Staub bilden. Dieser sollte nicht in die Atemwege gelangen. Arbeite deshalb möglichst vorsichtig und vermeide es, das Pigment unnötig aufzuwirbeln. Schutzkleidung, wie Handschuhe und ein geeigneter Atemschutz können zusätzlichen Schutz bieten. Besonders wichtig ist es, die Sicherheitshinweise des jeweiligen Pigments zu beachten, denn die Eigenschaften einzelner Pigmente können sehr unterschiedlich sein.
Ein einfacher Trick hilft bereits beim Ansetzen: Gib das Pigment vorsichtig mit einem Löffel in dein Gefäß und binde es anschließend möglichst früh mit etwas Wasser.
Jetzt beginnt die eigentliche Herstellung. Gib zunächst eine kleine Menge Pigment in deine Schale. Anschließend formst du in der Mitte eine kleine Vertiefung und gibst tropfenweise destilliertes Wasser hinzu. Vermische Pigment und Wasser nun mit deinem Spachtel oder Stößel. Nach und nach entsteht eine feste, gleichmäßige Masse, die an einen weichen Teig erinnert.
Dieser Zwischenschritt erfüllt gleich mehrere Aufgaben. Das Wasser reduziert die Staubbildung, hilft beim gleichmäßigen Verteilen des Pigments und sorgt dafür, dass sich später leichter beurteilen lässt, wie viel Binder tatsächlich benötigt wird.
Wenn du etwas Zeit hast, kannst du diese Pigment-Wasser-Mischung anschließend einige Stunden oder über Nacht ruhen lassen. Das Pigment kann dabei vollständig durchfeuchten. Für erste Versuche ist eine längere Ruhezeit aber kein Muss – du kannst die Farbe auch direkt weiterverarbeiten.
Aus dem vorbereiteten Farbteig wird nun Acrylfarbe. Dafür arbeitest du den Acrylbinder schrittweise in die Pigmentmasse ein. Gib lieber zunächst kleine Mengen hinzu und vermische alles gründlich, anstatt von Anfang an zu viel Binder zu verwenden.
Als grobe Orientierung kannst du dich an einer Konsistenz orientieren, die an geschmolzene Schokolade erinnert. Die Masse sollte gleichmäßig sein und sich gut mit einem Pinsel oder einem anderen Malwerkzeug auftragen lassen. Die genaue Menge hängt jedoch immer vom verwendeten Pigment ab. Deshalb solltest du dich nicht ausschließlich auf eine bestimmte Mengenangabe verlassen.
Bevor du deine neue Acrylfarbe abfüllst, solltest du sie unbedingt ausprobieren. Ein kleiner Farbauftrag auf Papier oder einem anderen geeigneten Malgrund verrät dir mehr als die Farbe in deinem Mischgefäß.
Lass den Auftrag vollständig trocknen und schau dir anschließend an, wie sich die Farbe entwickelt hat. Ist sie ausreichend intensiv? Wie deckend ist sie? Fühlt sich die Oberfläche so an, wie du es dir vorgestellt hast? Und lässt sich die Farbe gleichmäßig auftragen?
Wenn du noch nicht zufrieden bist, kannst du deine Mischung weiter verändern. Je nach Ergebnis lässt sich beispielsweise noch etwas Binder oder Pigment ergänzen. Anschließend wird erneut gemischt und getestet. Gerade dieser Schritt macht die eigene Farbherstellung so interessant: Du lernst unmittelbar, dass sich unterschiedliche Pigmente nicht identisch verhalten. Was bei einem Pigment funktioniert, muss bei einem anderen noch lange nicht zum gleichen Ergebnis führen.
Natürlich kannst du mit einem einzelnen Pigment arbeiten. Noch mehr Möglichkeiten eröffnen sich aber, wenn du verschiedene Pigmente miteinander kombinierst.
So kannst du deine eigenen Farbtöne entwickeln und beispielsweise sehr individuelle Nuancen für bestimmte Bildserien herstellen. Notiere dir dabei am besten in deinem Skizzenbuch, welche Pigmente du verwendet hast und in welchem Verhältnis du sie gemischt hast. So kannst du einen gelungenen Farbton später wieder herstellen.
Gerade beim Experimentieren mit Pigmenten lohnt es sich, zunächst kleine Mengen anzurühren. So kannst du verschiedene Kombinationen ausprobieren, ohne gleich große Mengen Farbe herstellen zu müssen.
Wenn deine Acrylfarbe die gewünschte Konsistenz erreicht hat und der Farbtest zufriedenstellend ausgefallen ist, kannst du sie abfüllen.
Ein kleines Schraubglas eignet sich dafür besonders gut. Wichtig ist vor allem, dass sich das Gefäß luftdicht verschließen lässt. Acrylfarbe trocknet durch den Kontakt mit der Luft aus – ein gut schließender Deckel ist deshalb entscheidend für die Aufbewahrung.
Vergiss außerdem nicht, dein Gefäß zu beschriften. Farbname, verwendete Pigmente und gegebenenfalls das Mischungsverhältnis helfen dir dabei, später den Überblick über deine eigenen Farbrezepturen zu behalten.
Du musst deine Acrylfarben also nicht selbst herstellen, um überhaupt malen zu können. Fertige Künstlerfarben bieten eine enorme Auswahl und sind praktisch, zuverlässig und sofort einsatzbereit.
Das eigene Herstellen verfolgt vielmehr einen anderen Zweck: Du setzt dich intensiver mit dem Material auseinander. Du siehst, wie aus einem trockenen Pigment Schritt für Schritt eine gebrauchsfertige Farbe entsteht, kannst ihre Eigenschaften beeinflussen und deine eigenen Farbtöne entwickeln.
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