Die Ölmalerei blickt auf eine lange und reiche Tradition zurück und besticht durch ihre Langlebigkeit, Vielseitigkeit und intensiven Farben. Doch viele zögern, Ölfarben zu verwenden, da oft angenommen wird, dass dabei gesundheitsschädliche Lösungsmittel wie Terpentin oder Testbenzin erforderlich sind. Diese Stoffe geben flüchtige organische Verbindungen (VOCs) ab, die nicht nur die Atemwege reizen, sondern auch langfristige gesundheitliche Risiken bergen.
Zum Glück kannst du Ölfarben auf eine sichere und umweltfreundliche Weise nutzen – ganz ohne Lösungsmittel oder mit sanfteren Alternativen. In diesem Blogbeitrag zeigen wir dir Ansätze und Produkte, die das Malen mit Ölfarben angenehmer und sicherer machen.
Lösungsmittel wie Terpentin, Testbenzin oder White Spirit werden beim Ölmalen genutzt, um die Farbe zu verdünnen, die Trocknungszeit zu beschleunigen und die Pinsel zu reinigen. Sie helfen dabei, die Fließeigenschaften der Farbe zu verbessern und Schichten leichter aufzutragen.
Das Terpentinöl aus Harz war bereits im Mittelalter als Lösungsmittel bekannt, jedoch war es nicht das raffinierte Terpentin, das wir heute kennen. Es wurde aus verschiedenen Harzen von Bäumen, insbesondere der Kiefer, gewonnen und diente auch dazu, Farben zu verdünnen und Pinsel zu reinigen. Die Nutzung von Terpentin war jedoch eher begrenzt, da es schwerer zu gewinnen und nicht überall leicht verfügbar war. Früher gab es noch keine standardisierten Lösungsmittel und viele Maler verwendeten Materialien die einfach lokal verfügbar waren. Man experimentierte oft mit verschiedenen pflanzlichen Ölen, Harzen und anderen Substanzen, um brauchbare Ergebnisse zu erhalten.
In der modernen Ölmalerei werden vergleichsweise viele synthetische Lösungsmittel aus der Petrochemie wie Testbenzin, White Spirit usw. verwendet, da sie günstig und überall erhältlich sind.
Beim Malen mit Ölfarben verwendet man zwei Arten von Medien: fette und magere. Fette Medien wie Leinöl oder Walnussöl machen die Farbe geschmeidiger und lassen sie langsamer trocknen. Magere Medien wie Terpentinöl sind Lösungsmittel. Sie verdünnen die Farbe, sodass sie schneller trocknet und sich leichter entfernen lässt.
In den unteren Farbschichten ist es vorteilhaft, ein Lösungsmittel wie Terpentin zu verwenden, weil die Farbe dadurch schneller trocknet und die nächste Schicht besser darauf haftet. In den oberen Schichten sollte man jedoch darauf verzichten, da es den Glanz der Farbe verringern und die unteren Schichten beschädigen kann. Deshalb gilt die Regel „Fett über Mager“: Die unteren Schichten sollten mager sein, also mit Terpentin verdünnt, während die oberen Schichten fetter sein sollten, indem man mehr Leinöl hinzufügt.
Am Ende stellt sich die Frage, ob es möglich ist, komplett auf Lösungsmittel zu verzichten – sowohl in den unteren Farbschichten als auch bei der Reinigung der Pinsel.
Lösungsmittel wie Terpentinöl und Testbenzin weisen erhebliche Nachteile auf. Längerer Kontakt mit den Dämpfen, den sogenannten flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs) in schlecht ventilierten Räumen kann Schwindel, Kopfschmerzen und Atemwegsprobleme verursachen. Zudem tragen diese Chemikalien zur Umweltverschmutzung bei, und viele von ihnen sind hochentzündlich.
Die gute Nachricht ist, dass es zahlreiche Alternativen gibt, um Ölfarben dennoch zu verwenden.
Zum Glück gibt es zahlreiche Ansätze, die Malen ohne Lösungsmittel ermöglichen oder zumindest den Einsatz von Lösungsmitteln stark einschränken. Bei der Anwendung dieser Maltechniken sollte man stets im Hinterkopf behalten, wofür das Lösungsmittel benötigt wird und ob es nicht ebenso gute Alternativen gibt. Wir gehen in diesem Fall einfachheitshalber vom klassischen Aufbau eines Ölbildes aus, mit Imprimitur, Untermalung und Lazurschichten, wobei die einzelnen Schichten ausreichend Zeit zum Antrocknen bekommen. Auch die Alla-Prima-Malerei, bei der in einer einzigen Sitzung gemalt wird, lässt sich problemlos ohne Lösungsmittel umsetzen, da die Verdünnung der Farbe ohnehin nur sehr sparsam erfolgen sollte.
Du kannst Ölfarben direkt aus der Tube verwenden und auftragen, ohne sie zu verdünnen. Das kann anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein, da Ölfarbe eine zähe Konsistenz hat. Aber stell dir vor, du würdest einen Schuh putzen: Du nimmst eine grobe Bürste, entnimmst etwas Schuhcreme aus der Dose und arbeitest sie gründlich ins Leder ein. Genauso kannst du die Ölfarbe mit einem groben Borstenpinsel auftragen, indem du sie einarbeitest und wischend verteilst. Mit dieser Technik lassen sich überraschend sanfte Übergänge und gleichmäßige Farbflächen erzeugen.
Wenn die Farbe flüssiger sein soll, kannst du eine kleine Menge Leinöl hinzufügen. Leinöl ist als Bindemittel in Ölfarben enthalten und sorgt für den charakteristischen öligen Glanz. Bereits eine geringe Menge reicht aus, um die Farbe geschmeidiger zu machen. Achte darauf, nicht zu viel Leinöl zu verwenden, da dies die Trocknungszeit erheblich verlängern und eine speckige Farbschicht hinterlassen kann, auf der weitere Schichten schlecht haften.
Ein großer Vorteil von Leinöl ist, dass es ungiftig ist und sogar Lebensmittelqualität besitzt. Es verleiht den Farben Glanz und erhöht die Trocknungszeit nur moderat, wenn es sparsam verwendet wird. Wenn du die Farbschicht übermalen möchtest, solltest du so wenig wie möglich verdünen, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
Verschiedene Arten von Leinöl:
Neben Leinöl können auch andere Öle in der Malerei verwendet werden: Safloröl vergilbt weniger stark und ist ideal zum Verdünnen von Weiß. Walnussöl und Mohnöl sind ebenfalls gängige Alternativen und bieten unterschiedliche Eigenschaften in Bezug auf Trocknungszeit.
Durch die Wahl des richtigen Öls kannst du die Eigenschaften deiner Farben optimal anpassen. Es ist ein hervorragendes Medium zum Malen. Es ist in den meisten gebrauchsfertigen Malmedien enthalten. Wer eine kürzere Trocknungszeit bevorzugt, kann ein schnelltrocknendes Malmedium verwenden.
Im Bereich der Malmedien – also der Hilfsmittel, die beim Malen mit Ölfarben verwendet werden – gibt es eine sehr große Auswahl an gebrauchsfertigen Produkten. Diese Medien dienen den unterschiedlichsten Zwecken: Viele von ihnen sind fette Medien, die beispielsweise die Trocknungszeit verkürzen oder verlängern, den Glanz verändern oder das Volumen der Farben beeinflussen. Einige dieser Medien enthalten allerdings auch Lösungsmittel, sind aber erheblich weniger schädlich. Besondere Erwähnung verdient das Gamblin Solvent Free Medium und Sennelier Green for Oils Medium , die kein Lösungsmittel enthalten.
Viele Maler tragen vor dem Malen eine dünne Farbschicht auf der Leinwand auf. So müssen sie nicht direkt auf die weiße Grundierung malen. Diese Schicht heißt Imprimatur. Dafür mischen sie Ölfarbe mit Lösungsmitteln. Dadurch wird die Farbe dünn und lässt sich transparent wie Aquarellfarbe auftragen. Außerdem trocknet sie schneller, weil das Lösungsmittel bald verdunstet. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass die unterste Schicht, die magere Schicht, wenig Öl enthält und eine gute Grundlage für die anderen Farbschichten bietet.
Für eine Imprimatur ohne Lösungsmittel gibt es Alternativen: Du kannst verdünnte, wasserlösliche Ölfarben verwenden oder die Imprimatur mit Acrylfarben ausführen, die keine Lösungsmittel benötigen und schnell trocknen. Verdünnte Acrylfarbe kann mit Ölfarben übermalt werden, da sie ebenfalls eine gute Haftung für folgende Schichten bietet.
Ein typisches Problem beim Malen ohne Lösungsmittel ist die Reinigung der Pinsel. Wechselt man während des Malprozesses die Farbe, vermischen sich die einzelnen Farben unweigerlich auf dem Pinsel. Normalerweise würde man den Pinsel in einem Lösungsmittel reinigen, um die Farben vollständig zu entfernen und einen sauberen Arbeitsbeginn für die nächste Farbe zu gewährleisten.
Viele Maler möchten in diesem Punkt keine Kompromisse eingehen. Ein sauberer, magerer Pinsel, der wieder viel Farbe aufnehmen kann, fühlt sich wie ein kleiner Neustart an. Wer hier ungern auf Lösungsmittel verzichten möchte, sollte dennoch weiterlesen – weiter unten stellen wir einige weniger schädliche Alternativen zu herkömmlichen Lösungsmitteln vor.
Sehr interessant in diesem Zusammenhang ist ein Prinzip, das vielen Malern noch nicht bekannt ist: Ölfarben lassen sich auch mit Öl lösen. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht überraschend, aber bei genauerem Nachdenken ist es durchaus logisch.
Du kannst das einfach selbst ausprobieren. Nimm einen kleinen Behälter und fülle ihn mit herkömmlichem Sonnenblumenöl – etwa drei Fingerhüte voll reichen aus. Du kannst anstatt Sonnenblumenöl auch ein anderes Öl nehmen, du musst nur darauf achten, dass es ein trocknendes Öl ist. Während deiner nächsten Malsession nimmst du einen Pinsel, den du reinigen möchtest. Tauche ihn in das Sonnenblumenöl und streiche ihn vorsichtig am Rand des Behälters ab. Du wirst schnell feststellen, wie viel Farbe sich mit dem Öl aus dem Pinsel entfernen lässt. Wickle den Pinsel anschließend in ein Küchenpapier und wische ihn gründlich aus, bis er keine Farbe mehr abgibt. Auf diese Weise ist er sauber genug, um direkt mit einer neuen Farbe weiterzuarbeiten und du schonst nebenbei die Haare deines Pinsels nicht unerheblich.
Wenn du ganz fertig mit dem Malen bist, reinigst du die Pinsel gründlich, erst mit etwas Lösungsmittel und dann mit warmem Seifenwasser. Da du den Behälter mit Lösungsmittel nur kurz öffnest und benutzt, kommen viel weniger flüchtige Elemente frei.
Die hier vorgestellten Methoden sind einfach, effektiv und schonen deine Gesundheit. Wer sich einmal daran gewöhnt hat, kann während eines Großteils des Malprozesses problemlos und ohne nennenswerte Extrakosten auf Lösungsmittel verzichten.
Es gibt zahlreiche ausgezeichnete Alternativen zu herkömmlichen Lösungsmitteln, die das Malen mit Ölfarben angenehmer und gesünder machen als die Verwendung von Terpentinöl und Testbenzin. Vielleicht hast du bemerkt, dass wir in diesem Blog vor allem die klassischen Medien wie Leinöl und Terpentinöl oder das synthetische Testbenzin behandelt haben. Unser Ziel ist es, dir ein besseres Verständnis für die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten und Auswirkungen dieser Materialien zu vermitteln, damit du selbst entscheiden kannst, an welcher Stelle im Malprozess du darauf verzichten oder auf Alternativen umsteigen möchtest.
Alternative Lösungsmittel bieten die gleichen Anwendungsmöglichkeiten wie herkömmliche Lösungsmittel, sind jedoch deutlich schonender und weniger belastend.. „Geruchsarm“ bedeutet dabei nicht automatisch „unschädlich“. Arbeite stets in einem gut belüfteten Raum und vermeide es, die Dämpfe über längere Zeit einzuatmen.
Wir stellen dir die Alternativen Lösungsmittel vor, die in unserem Test am besten abgeschnitten haben.
Green for Oil ist noch relativ neu auf dem Markt, aber unsere eigenen Erfahrungen mit diesem Lösungsmittel, das als „Thinner“ angeboten wird und das einzige ist, das als ungiftig („Non-Toxic“ steht auf der Flasche) vermarktet wird, sind schlichtweg herausragend. Das Mittel ist geruchlos und verhält sich genau wie ein herkömmliches Lösungsmittel. Auch wenn wir nicht genau wissen, wie es hergestellt wird, geben wir Sennelier den Vorteil des Zweifels – wenn „ungiftig“ draufsteht, gehen wir davon aus, dass es auch ungiftig ist. Unsere klare Favoritin.
Gamsol war eine kleine Revolution, als es auf den Markt kam. Das Lösungsmittel von Gamblin ist vollkommen geruchsneutral und verhält sich wie ein herkömmliches Lösungsmittel. Man sollte es jedoch nicht neben ein Glas Wasser stellen, da man die beiden Flüssigkeiten nicht voneinander unterscheiden kann. Laut Gamblin ist Gamsol so stark gereinigt, dass es nur noch ein Drittel der schädlichen Stoffe enthält, die in herkömmlichen Lösungsmitteln vorkommen. Dennoch gilt hier auch: gut lüften. Gamblin stellt auch andere Malmedien und Firnisse her. Zum Beispiel ist Gamvar ein hervorragendes geruchloses Firnis für Ölbilder. Leider ist Gamsol auf dem deutschen Markt nicht erhältlich, dennoch verdient es einen ausgezeichneten zweiten Platz.
Talens bietet bereits seit Jahren ein gerucharmes Lösungsmittel an, das portugiesisches Terpentinöl enthält. Dieses natürliche Lösungsmittel wird aus dem Harz von Kiefernarten gewonnen. Im Vergleich zu anderen Terpentinen zeichnet sich portugiesisches Terpentinöl durch seinen milden Geruch und seine hohe Reinheit aus. Es gilt als weniger schädlich und weniger reizend als viele andere Lösungsmittel und ist daher eine bevorzugte Wahl für Künstler. Ein guter dritter Platz.
Das aus Speiklavendel gewonnene Spiköl ist für Künstler eine ausgezeichnete Alternative zu Terpentinöl und synthetischen Lösungsmitteln. Es gilt als weniger schädlich und belastend für die Gesundheit. Historisch gesehen haben bedeutende Maler wie Da Vinci, Rubens, Van Dyck und andere nachweislich Spiköl verwendet. Wer also auf die eigene Gesundheit achten und dennoch traditionsgetreu arbeiten möchte, ist mit diesem Produkt bestens beraten.
Das geruchsarme Lösungsmittel von Van Beek, unserer Eigenmarke, wird ebenfalls aus portugiesischem Terpentin hergestellt. Produkte auf Basis von portugiesischem Terpentin haben zwar einen leichten Lösungsmittelgeruch, dieser ist jedoch deutlich weniger intensiv als der von Terpentin oder Testbenzin. Wer viel Lösungsmittel zu einem günstigen Preis benötigt und den Geruch reduzieren möchte, dem sei dieses Produkt empfohlen.
Alternative Lösungsmittel, die aus der Schale von Zitrusfrüchten gewonnen werden, verhalten sich wie ein Lösungsmittel, haben jedoch einen angenehmen Duft nach Orange oder Zitrone. Wir haben jedoch nach einiger Zeit festgestellt, dass auch der Duft von Zitrusfrüchten manchmal als etwas störend empfunden werden kann.
Das Malen mit Ölfarben ohne Lösungsmittel ist möglich und nicht nur gesünder, sondern auch umweltfreundlicher. Mit den richtigen Techniken und Materialien kannst du die gleiche künstlerische Freiheit genießen, ohne Kompromisse bei der Qualität oder Sicherheit einzugehen.
Wer ganz und gar auf Lösungsmittel verzichten will, sollte sich vielleicht wasserlösliche Ölfarben anschauen, wie Schmincke Norma Blue , Winsor & Newton Artisan oder Cobra. Sie verhalten sich wie Ölfarben, und du kannst Wasser als Lösungsmittel verwenden. Ganz interessant ist auch das Medium W von Schmincke. Mische es in ein bestimmtes Verhältnis zu deinen normalen Ölfarben, und sie werden wasserlöslich.
Das Wichtigste ist, dass du deine persönliche Freiheit behältst und wählen kannst, wo und wie und ob überhaupt du Lösungsmittel einsetzen willst, ohne deinen Malprozess zu behindern. Vieles ist auch Gewöhnungssache. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass man während des Malens meistens gut auf Lösungsmittel verzichten kann. Wenn man es doch braucht, verwendet man nur wenig und machet den Deckel wieder zu!
Probier unsere Methoden aus und entdecke eine neue, nachhaltigere Art des Malens. Hast du eigene Erfahrungen oder Tipps zum Malen ohne Lösungsmittel? Teile sie gerne mit uns!
Materialien
05 January 2024
Ein Blick auf die Unterschiede zwischen Öl- und Acrylfarben
Wenn du mit dem Malen beginnst, wirst du mit einigen wichtigen Fragen konfrontiert. Eine davon ist die Wahl der richtigen Farbe. In diesem Blog erzählen wir dir alles über die Unterschiede zwischen Öl- und Acrylfarben.