Vielleicht bist du bereits Printmaker oder Illustrator und möchtest selbst T-Shirts und andere Kleidungsstücke bedrucken oder alte Kleidung einfach aufwerten. Dann ist es Zeit, in die Welt des Siebdrucks einzutauchen! Denn Siebdruck eignet sich hervorragend für den Textildruck.
Auf den ersten Blick kann die Technik einschüchternd wirken. Schließlich arbeiten große Textildruckereien mit Siebdruck in industriellem Maßstab. Tatsächlich ist Siebdruck jedoch eine sehr zugängliche Technik. Van Beek zeigt dir, was du für den Siebdruck auf Textilien brauchst und wie du damit loslegst.
Siebdruck ist ein Druckverfahren, bei dem mit Schablonen gearbeitet wird. Dabei wird Farbe mithilfe eines feinmaschigen Gewebes, dem sogenannten Siebdruckrahmen, durch eine Schablone auf den Untergrund gedrückt. Die Technik hat ihre Wurzeln in Ostasien und gelangte zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Europa und in die Vereinigten Staaten. Nach und nach wurde Siebdruck auf immer mehr Materialien eingesetzt: auf Werbeplakaten, Keramik, Textilien und vielem mehr. Fast jeder flache Untergrund lässt sich mit Siebdruck bedrucken.
Auch bekannte Künstler nutzen die Technik. Einer der wohl bekanntesten war der Pop-Art-Künstler Andy Warhol. Er griff die Verbindung zwischen Siebdruck und Massenproduktion auf und machte die Technik auch in der Kunstwelt bekannt.
Siebdruck kann auch in kleinem Format und mit einfachen Mitteln ausgeführt werden. Die Technik ist sehr unkompliziert und du brauchst dafür keine große Maschine. Du kannst zu Hause damit arbeiten. Deshalb gibt es bis heute eine lebendige Tradition des selbstgemachten, handwerklichen Siebdrucks.
Ein Sieb mit Schablone kannst du mehrfach verwenden. Dadurch eignet sich die Technik besonders gut für Stoffe und Textilprodukte, die du in kleinen Auflagen bedrucken möchtest, etwa Kleidung oder die bekannten Tote Bags, also Tragetaschen aus Baumwolle.
Das macht Siebdruck zu einer praktischen Technik für kreative Selbermacher, die besondere Stücke in kleinen Auflagen herstellen.
Die wichtigsten Materialien, die du auf jeden Fall brauchst, sind:
Wenn du alles auf einmal kaufen möchtest, bietet Van Beek auch komplette Startersets an, zum Beispiel das Speedball DIY Starter Kit oder das Intermediate Kit.
Darüber hinaus sind einige weitere Dinge praktisch, die du am besten griffbereit hast: Klebeband, Handschuhe, ein Cuttermesser und eine Schneidematte zum Ausschneiden von Schablonen, Pinsel, Zeichenmaterial und ein Palettenmesser, um die Farbe aus dem Farbtopf zu entnehmen. Und natürlich brauchst du einen ausreichend großen Tisch oder eine freie, ebene Fläche zum Arbeiten.
Ein Siebdruckrahmen besteht aus einem Rahmen, über den ein feinmaschiges Gewebe gespannt ist. Die Farbe kann durch dieses Gewebe gedrückt werden. Siebdruckrahmen gibt es in verschiedenen Größen und aus unterschiedlichen Materialien. Dieser Siebdruckrahmen aus Holz ist zum Beispiel ein gutes Modell für Einsteiger. Siebdruckrahmen aus Aluminium sind teurer, dafür aber langlebiger als Modelle aus Holz.
Eine Rakel ist ein Werkzeug mit einer flexiblen Gummilippe, mit der du die Farbe über das Sieb ziehst und durch das Gewebe drückst. Rakeln gibt es in unterschiedlichen Größen, von etwa 15 cm bis fast einem Meter Breite. Achte bei der Wahl der Rakel auf die Größe deines Siebdruckrahmens: Die Rakel sollte nicht breiter sein als das Sieb.
Tipp: Fang klein an und experimentiere zunächst. Dafür kannst du einen kleinen Rahmen verwenden und dein Motiv zum Beispiel auf einen Canvas-Patch, eine Ecke eines T-Shirts oder den Ärmel drucken.
Die Schablone bestimmt, an welchen Stellen die Farbe durch das Sieb auf deinen Untergrund gelangt. Du kannst dafür Schablonen aus festem Kunststoff verwenden und dein Motiv ausschneiden. Eine andere Möglichkeit ist die Arbeit mit sogenannter Zeichenflüssigkeit und Siebfüller. Dabei wird das Motiv direkt auf das Sieb aufgetragen und später wieder ausgewaschen.
Eine weitere Methode ist die Verwendung von Fotoemulsion. Darüber später mehr.
Wenn du ein T-Shirt, eine Tasche oder einen anderen textilen Untergrund bedrucken möchtest, brauchst du spezielle Textilfarbe. Sie lässt sich gut durch das Sieb drücken und bleibt nach dem Fixieren flexibel. So bröckelt sie weder auf dehnbaren Stoffen noch beim Waschen ab.
Ein gutes Beispiel ist die Farbe der amerikanischen Marke Speedball, von der Van Beek verschiedene Varianten anbietet. Die Speedball Fabric Screen Printing Ink eignet sich beispielsweise hervorragend für den Einstieg. Sie ist eine Basisfarbe für helle Stoffe. Außerdem bieten wir die Speedball Flex Fabric Screen Printing Ink an, die besonders gut auf dehnbaren Stoffen hält.
Wasserbasierte Farben wie die von Speedball sind in der Regel einfacher zu verarbeiten und deshalb besonders für Einsteiger im Siebdruck geeignet. Wasserbasierte Farbe besteht aus Wasser, Pigmenten und Bindemitteln und gilt als umweltfreundlichere Alternative zu Plastisolfarben.
Wenn du mehrere Farben verwenden möchtest, musst du jede Farbe einzeln drucken. Dafür brauchst du also mehrere Siebe und mehrere Schablonen. Es erfordert etwas Übung, die einzelnen Farben exakt an der richtigen Stelle zu platzieren. Deshalb ist es einfacher, zunächst mit einfarbigen Motiven zu beginnen.
Wir haben verschiedene besondere Speedball-Farben im Sortiment, darunter Glow-in-the-Dark-Farbe, ein Set mit fluoreszierenden Farben und ein Set mit Metallic-Farben, darunter Silber und Gold. Alle unsere Farben zeichnen sich durch eine hohe Farbkraft und gute Haftung aus und sorgen für ein professionelles Ergebnis.
Wenn du alle Materialien beisammen hast und weißt, wie dein Motiv aussehen soll, kann es losgehen. Zuerst bereitest du deine Schablone auf dem Sieb vor. Dafür gibt es drei Möglichkeiten: eine separate Schablone, Zeichenflüssigkeit oder Fotoemulsion.
Bei der letzten Methode wird ein Material auf das Sieb aufgetragen, das auf UV-Licht reagiert. Die belichteten Bereiche der Schicht trocknen aus, während die abgedeckten Bereiche auswaschbar bleiben. Da Fotoemulsion etwas anspruchsvoller und professioneller ist, beginnen wir hier mit den beiden anderen Methoden. So bekommst du zunächst ein gutes Gefühl für den Siebdruck.
Zeichne dein Motiv auf dünnen Kunststoff. Anschließend schneidest du das Motiv mit einem Cuttermesser auf einer Schneidematte aus. Du kannst dein Motiv auch auf transparentem Druckerpapier anzeichnen und anschließend ausschneiden. Natürlich kannst du auch fertige Schablonen mit Buchstaben, Zahlen oder Mustern verwenden.
Mit Zeichenflüssigkeit (Drawing Fluid) und Siebfüller (Screen Filler) kannst du detailliertere Schablonen erstellen als mit einer Kunststoffschablone. Allerdings müssen sowohl die Zeichenflüssigkeit als auch der Siebfüller vollständig trocknen, bevor du mit den nächsten Schritten weitermachen kannst. Am sichersten ist es, beides jeweils über Nacht trocknen zu lassen. Plane dafür also genügend Zeit ein!
Du kannst dein Motiv zunächst mit einem Bleistift auf das Sieb zeichnen. Anschließend malst du die gewünschten Bereiche mit der Zeichenflüssigkeit nach. Falls du einen Fehler machst, kannst du von vorne beginnen. Die Flüssigkeit lässt sich wieder auswaschen. Achte darauf, dass überall dort, wo später Farbe durch das Sieb gelangen soll, eine ausreichend dicke Schicht Zeichenflüssigkeit vorhanden ist.
Warte anschließend, bis deine Zeichnung vollständig getrocknet ist. Wie lange das dauert, hängt von der Dicke der aufgetragenen Schicht ab. Mit einem Föhn kannst du die Trocknungszeit gegebenenfalls verkürzen.
Sobald die Zeichnung trocken ist, trägst du den Siebfüller darüber auf. Er verschließt das Gewebe an allen Stellen, an denen später keine Farbe durch das Sieb gelangen soll. Der Siebfüller haftet überall dort, wo keine Zeichenflüssigkeit aufgetragen wurde.
Gib dazu einige Kleckse Siebfüller an den oberen Rand des Siebs und ziehe ihn mit der Rakel nach unten. Übe dabei nicht zu viel Druck aus, damit deine Zeichnung nicht beschädigt wird. Die Ecken kannst du mit Klebeband abkleben oder mit einem Pinsel und Siebfüller verschließen. Lass anschließend auch den Siebfüller vollständig trocknen, am besten über Nacht.
Jetzt kommt der entscheidende Schritt: Du wäschst die Zeichenflüssigkeit mit Wasser aus dem Sieb, während der Siebfüller an seinem Platz bleibt. Das kannst du in einem großen Waschbecken, einer Schüssel oder mit einem Duschkopf machen. Bei Bedarf kannst du vorsichtig mit einem Schwamm nachhelfen, um Rückstände zu entfernen.
Jetzt wird es richtig spannend! Das Motiv auf dein Textil zu bringen, ist eigentlich ganz einfach. Ein bisschen Vorbereitung gehört allerdings dazu.
Sorge zunächst für eine stabile, ebene Arbeitsfläche. Dafür eignet sich zum Beispiel ein alter Arbeitstisch oder eine freie, gerade Stelle auf dem Boden. Wie gut dein Textil liegen bleibt, hängt vom jeweiligen Stoff ab. Wenn du ein T-Shirt bedrucken möchtest, kannst du ein Stück Karton zwischen Vorder- und Rückseite legen, um den Stoff zu stabilisieren. Manche Siebdrucker verwenden auch einen einfachen Klebestift, um das Textil leicht an der Unterlage zu fixieren. Dieser lässt sich anschließend problemlos auswaschen.
Bereite anschließend dein Sieb vor. Befestige deine Schablone bei Bedarf mit Klebeband am Sieb und klebe alle Bereiche mit transparentem Klebeband ab, die nicht durch Siebfüller, Fotoemulsion oder die Schablone abgedeckt sind.
Jetzt kommt es darauf an. Positioniere dein Sieb auf dem Textil. Gib einige Kleckse Farbe an den oberen Rand deiner Schablone, genug, um das gesamte Motiv abzudecken.
Ziehe die Farbe mit der Rakel über die Schablone, von oben nach unten und ohne starken Druck. So gelangt die Farbe durch die offenen Bereiche deiner Schablone. Fahre anschließend noch einmal mit einer gleichmäßigen Bewegung über das Sieb, diesmal mit etwas mehr Druck. Achte darauf, überall mit möglichst gleichmäßigem Druck und gleichmäßiger Geschwindigkeit zu arbeiten, damit die Farbe gleichmäßig aufgetragen wird.
Du kannst mehrmals mit der Rakel über das Sieb gehen, solange dein Textil sicher an derselben Stelle liegen bleibt.
Hebe das Sieb vorsichtig vom Textil ab und … voilà! Dein erster Druck ist fertig.
Tipp: Der erste Pfannkuchen gelingt bekanntlich selten. Mach es dir deshalb einfach und halte gerade am Anfang genügend Teststoffe bereit.
Mit demselben Sieb, derselben Schablone und derselben Farbe kannst du direkt eine ganze Reihe von Produkten bedrucken. Anschließend kannst du dein Sieb wieder reinigen und für ein anderes Motiv verwenden. Für Siebfüller und Fotoemulsion benötigst du jeweils einen speziellen Entferner.
Lass deine bedruckten Textilien vollständig trocknen, je länger, desto besser.
Achtung! Wasserbasierte Farbe muss vor dem Waschen durch Hitze fixiert werden. Das kannst du zum Beispiel nach dem Trocknen mit einem Bügeleisen und einem Stück Backpapier zwischen Bügeleisen und Druck machen. Je nach verwendeter Farbe kann sich die genaue Vorgehensweise unterscheiden. Schau deshalb immer in die Anleitung der jeweiligen Farbe.
Wenn du einmal auf den Geschmack gekommen bist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, deinen Siebdruck weiterzuentwickeln. Fotoemulsion ist die präziseste, aber auch anspruchsvollste Methode, um eine Siebdruckschablone herzustellen.
Der Prozess ähnelt ein wenig der Arbeit mit Zeichenflüssigkeit und Siebfüller. Allerdings reagiert Fotoemulsion auf UV-Licht, wodurch dein Motiv schließlich direkt auf dem Sieb entsteht. Mit Fotoemulsion lassen sich sehr detaillierte Schablonen erstellen. Mit etwas Übung und digitaler Bildbearbeitung kannst du damit sogar Fotos auf Textilien drucken!
Erfahrene Siebdrucker verwenden häufig auch eine Hohlrakel oder einen Holrakel, um eine gleichmäßige Schicht Emulsion oder Siebfüller auf das Sieb aufzutragen. Außerdem verfügen sie oft über professionelle UV-Belichtungsgeräte und spezielle Siebdruckpressen, in denen sich die Siebe sicher fixieren lassen.
Zum Glück kannst du solche Lösungen auch zu Hause nachbauen. Mit diesen separaten Scharnieren kannst du beispielsweise einen alten Arbeitstisch in eine eigene Siebdruckpresse verwandeln. Und statt einer Hohlrakel kannst du für den Anfang problemlos eine gewöhnliche Rakel verwenden.
Trotzdem kann der Einstieg in den Siebdruck zunächst einschüchternd wirken, mit großen Sieben, Emulsionen und all den verschiedenen Materialien. Es ist völlig normal, am Anfang nicht genau zu wissen, wie viel Farbe du verwenden solltest oder wie du die Rakel richtig führst. Vieles entwickelt sich mit der Zeit zu einem echten Gefühl für die Technik.
Zum Glück gibt es viele Studios und Community-Workshops, in denen du Siebdruck selbst ausprobieren und dir Tipps von erfahrenen Siebdruckern holen kannst. Auch Van Beek veranstaltet regelmäßig Siebdruck-Workshops mit Produkten von Speedball. Dann steht bereits alles für dich bereit, inklusive einer erfahrenen Person, die deine Fragen beantwortet.
Nicht ohne Grund ist Siebdruck schon lange in alternativen Subkulturen wie der Punkbewegung verbreitet. DIY steht dort für einen bewussten Gegenentwurf zur Massenproduktion. Deshalb stellen viele Menschen aus der Szene mit Siebdruck ihre eigenen Patches, Jacken und vieles mehr her.
Für Siebdruck musst du also weder ein großer Künstler noch ein erfolgreicher Designer sein. Die Technik eignet sich zum Beispiel auch hervorragend für Merchandise und Werbematerialien. Ein Band-T-Shirt mit einem selbst gedruckten Siebdruckmotiv wirkt viel persönlicher und individueller als ein Shirt aus einer anonymen Massenproduktion. Ob du einen Foodtruck betreibst oder Teil einer kleinen Fahrradgruppe bist, mit Siebdruck kannst du dein Werbematerial auf kreative und persönliche Weise gestalten.